Wie die Haifa Heim Bewohner den Iran Krieg überstehen
- Leni Stang
- Kategorie: News Holocaust-Überlebende
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Es war ein schwieriger Frühling für die Bewohner unseres Hauses für Holocaust-Überlebende in Haifa, da sie ständigem Raketenbeschuss aus dem Iran und dem Libanon ausgesetzt sind. Doch auch in dieser Zeit, in der sie sich an die dunkle Zeit des nationalsozialistischen Völkermords an den Juden erinnern, sind sie tapfer.
DIE AUSWIRKUNGEN DES KRIEGES AUF UNSERE BEWOHNER
Wir befinden uns derzeit in einem wackeligen Waffenstillstand. In den vergangenen Wochen haben die Raketenalarme während dieses intensiven Krieges mit dem Iran bei unseren Bewohnern oft Erinnerungen an ihre Kindheit während des Holocausts wachgerufen. „Die Sirenen versetzen mich immer wieder in meine Kindheit zurück“, erzählte Chaya. „Während des Zweiten Weltkriegs hatten wir Sirenen, wann immer Flugzeuge über uns hinwegflogen, und ihre Bomben abwarfen, und unser Haus bebte von den Explosionen. Wir hatten solche Angst …“ Heute verbringt Chaya viele Nächte während des Krieges mit dem Iran schlafend in unserem Bunker.
Renate, die gerade in eine andere Wohnung umgezogen war, hat keinen leichten Zugang zum Luftschutzbunker. Sie schafft es, sich an einen Ort in ihrer Wohnung zu begeben, der weit von den Fenstern entfernt ist und an dem sie sich sicher fühlt. Als der Waffenstillstand mit dem Iran begann, gab es weiterhin zahlreiche Raketenangriffe der Hisbollah aus dem Libanon, die Haifa zum Ziel hatten. „Plötzlich ergriff mich eine überwältigende Angst, als die Sirene losging“, erklärte Renate. „Ich versuchte, zu meinem sicheren Ort zu gehen und setzte mich in meinen Rollstuhl. In Gedanken versuchte ich, diese Angst zu bekämpfen und suchte etwas Lustiges auf meinem Handy. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie wieder verschwand.“ Der Lärm der Sirene ist noch derselbe wie während des Zweiten Weltkriegs, als Renate ein Kind war und ständig Alpträume von den Kämpfen um sie herum hatte.
Wie kommen unsere Bewohner zurecht? Einige versuchen, ihre Gedanken mit positiven Dingen zu füllen, etwa mit Humor, und nicht nur mit Nachrichten. Das hilft ihnen, den Tag zu bewältigen. Andere versuchen, den Kopf oben zu behalten und sich auf die Wunder zu konzentrieren, die sie in diesem Krieg erlebt haben. So schlug beispielsweise eine iranische Rakete in Haifa ein, ohne abgefangen worden zu sein. Trotz des tragischen Verlusts von Menschenleben bei diesem Vorfall verhinderte die Tatsache, dass der Sprengkopf nicht explodierte, noch mehr Tote und erhebliche Zerstörung. Ein Wunder! Oder jemand, der es gerade noch aus dem Bett geschafft und den Schutzraum erreicht hatte, während wenige Minuten zuvor Splitter an genau der Stelle niedergegangen waren, an der er geschlafen hatte. Was unsere Bewohner ermutigt, ist ihr Gemeinschaftsgefühl. Das Teilen dieser Erfahrungen, gemeinsame Mahlzeiten und die Teilnahme an verschiedenen Aktivitäten geben ihnen viel Kraft.
GESCHICHTE ISRAELS UND DER TANACH
Die russischsprachigen Bewohner des Hauses in Haifa haben die alle zwei Wochen stattfindenden Vorträge über die Geschichte Israels sehr genossen. Diejenigen, die in den vergangenen vier Jahren aus der Ukraine nach Israel gekommen sind, sowie andere russischsprachige Überlebende, die bereits in den 1990er Jahren nach Israel kamen, wussten kaum etwas über das beeindruckende Land, in dem sie nun leben. Aus diesen Vorträgen entstand die Idee, zusätzlich Vorträge über die biblische Geschichte des jüdischen Volkes anzubieten, wie sie im Tanach (Altes Testament) beschrieben wird. Viele unserer Bewohner sind in der sowjetischen kommunistischen Zeit aufgewachsen und hatten keinerlei Wissen über ihr biblisches Erbe als Volk. Zwei Mitglieder unseres ICEJ-Teams, Maria und Nancy, unsere Kunsttherapeutin, kombinierten die Geschichten der Tora (die fünf Bücher Mose) mit Gemälden verschiedener Künstler, die jede dieser Geschichten darstellen. Die Bibelstunde vor Pessach behandelte die Geschichte von Josef und erklärte, warum das Volk Israel nach Ägypten kam. Dadurch konnten unsere Bewohner Pessach diesmal mit viel mehr Wissen über den historischen Hintergrund des Festes feiern. „Alles, was ich hier gelernt habe, ist neu für mich und hat mein Herz berührt. Ich möchte unbedingt, dass es weitergeht“, sagte Boris. „Für mich war ebenfalls alles neu, und ich fand es sehr interessant. Ich hoffe sehr, dass wir noch mehr hören werden“, antwortete Arnold.
GEDENKTAG FÜR DIE OPFER DES HOLOCAUST
Als wir kürzlich an Jom HaSchoa – den jährlichen israelischen Holocaust-Gedenktag begingen, und es einen vorübergehenden Waffenstillstand mit dem Iran gab, feuerte die Hisbollah im Libanon weiterhin Raketen auf Nordisrael ab. Es waren 81 Jahre seit dem Ende des Holocausts vergangen und fast 78 Jahre seit der Gründung des Staates Israel. Es ist ein sehr ernüchternder Gedanke, dass die Nationen wenig aus der Geschichte gelernt haben und dass der Antisemitismus, insbesondere in der westlichen Welt, in den letzten Jahren weiter stark zugenommen hat. „Hast du gehört, was gestern in München, Deutschland, passiert ist?“, fragte Chaya mich und erzählte von einem Angriff auf ein israelisches Restaurant dort. „Das erinnert mich an die Progrome, die dort vor Jahren stattgefunden haben.“Der zunehmende Antisemitismus ist etwas, das unsere Bewohner nicht verstehen. Warum wird das jüdische Volk immer wieder so sehr gehasst?
Doch nicht alles ist schlecht. „Ich bin sehr ermutigt durch Christen, die uns nicht vergessen, sich die Zeit nehmen, uns zu schreiben und uns sogar besuchen und bei uns arbeiten“, sagte Chaya. „Das ist echte Liebe, nicht Hass. Ich erzähle allen, mit denen ich spreche, von dem, was ihr für uns tut.“
Die Tage rund um den Holocaust-Gedenktag sind für unsere Bewohner immer sehr schwierig. Die Überlebenden, die noch dazu in der Lage sind, verspüren ein tiefes Bedürfnis, ihre persönlichen Holocaust-Geschichten zu teilen, und verschiedene Bewohner werden zu unterschiedlichen Foren eingeladen, um ihre eigene Geschichte zu erzählen. Auch israelische Fernsehteams kamen, um sie im Vorfeld von Jom HaSchoa zu interviewen, doch mit zunehmendem Alter wird es immer schwieriger, all die Details wiederzugeben. „Ich will es erzählen, und ich tue es“, sagte Chaya, „aber die Erinnerungen werden so lebendig, dass ich Tage brauche, um mich davon zu erholen.“ „Dieses Jahr ist das letzte Mal, dass ich es mache“, sagte Rachel voller Emotionen. „Es ist zu schwer für mich.“ Sie sprach dieses Jahr an zwei verschiedenen Orten, darunter auch auf einem Militärstützpunkt.
Am 14. April war die Gedenkzeremonie zum Holocaust-Gedenktag im Haus in Haifa eine kleine interne Veranstaltung aufgrund der anhaltenden Sicherheitslage. Neben unseren Bewohnern nahmen nur einige Würdenträger der israelischen Regierung, aus der Region Haifa sowie aus verschiedenen ausländischen Botschaften teil.
PESSACH IM SCHATTEN DES KRIEGES
Zusätzlich der Teilnahme am traditionellen Pessach-Seder mit den Bewohnern im Haus in Haifa verteilte unser christliches Team vor Beginn des Festes auch viele Pessach-Lebensmittelpakete an Holocaust-Überlebende in der Region Haifa. Dazu gehörten auch persönliche Besuche bei einigen von ihnen zu Hause. Als wir eintraten, lag Iris, eine 88-jährige Holocaust-Überlebende, in ihrem Bett im Wohnzimmer. Als sie erfuhr, wer wir waren, war ihr Gesicht voller Freude. Sie war vor einigen Monaten gestürzt und hatte sich ihr Knie so schwer verletzt, dass sie die meiste Zeit im Bett verbringt. Von ihren vier Kindern hat nur eines Kontakt zu ihr. Umso größer war ihre Freude über die gemeinsame Zeit mit uns. Es fiel ihr schwer, uns gehen zu lassen, und sie bat uns, bald wiederzukommen. Als wir ins Auto stiegen, erhielten wir die Warnung vor eintreffenden Raketen aus dem Iran, und wir kehrten schnell zu Iris und ihrer Pflegekraft zurück, um an einem sicheren Ort zu warten. „Was für ein Segen, dass ihr wieder hier seid!“, rief Iris. „Jetzt kann ich euch noch ein wenig länger genießen …“
In einem anderen Haus wartete Yaacov bereits auf uns. Wir besuchen ihn normalerweise zu jedem Feiertag und bleiben das ganze Jahr über in Kontakt. Außer seinem Sohn, der ein paar Mal pro Woche vorbeizukommen versucht, besucht ihn sonst niemand. Er ist sich zunehmend seiner Vergesslichkeit bewusst, was ihn sehr belastet. Einsamkeit und die nachlassende Gesundheit belasten viele dieser Holocaust-Überlebenden, die noch zu Hause leben, sehr. Unser Besuch brachte einen Lichtblick und etwas Wärme in das Leben derjenigen, die allein leben.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung des Haifa Heims für Holocaust-Überlebende!
