Einsatz auf dem "Roten Teppich" - Wahre Liebe für Frauen in Not

„Red Carpet“ hilft gebrochenen Frauen auf den Straßen von Tel Aviv, ihre Würde neu zu finden: Einblicke in einen Arbeitseinsatz für ein Projekt, das uns seit vielen Jahren sehr am Herzen liegt.

Einsatztag

Kaum hat das ICEJ-Team die Schwelle des Red Carpet Centers in Tel Aviv überschritten, ist es schon unermüdlich im Einsatz. Die Christen bereiten Essen zu, falten Kleidung, lackieren Nägel, spülen Geschirr, kochen Tee und verteilen Hygieneartikel. Dazwischen gibt es Zuspruch und ein offenes Ohr für die Sorgen der Frauen. Und am Ende wird noch der Boden gekehrt, ehe sich das Team wieder verabschiedet – bis zum nächsten Einsatztag.

Die ICEJ begann vor einigen Jahren, das Red Carpet Center zu unterstützen, nachdem dessen Gründerin Anat Brenner das Zentrum eröffnet hatte. Der „Rote Teppich“ bietet arbeitslosen und schutzbedürftigen Frauen, die von der grassierenden Obdachlosigkeit und Drogenabhängigkeit im Süden Tel Avivs betroffen sind, praktische Hilfe an. Einige der Frauen, die hier liebevoll aufgenommen werden, haben sich der Prostitution zugewandt – als letzten Ausweg aus der Armut. Das Red Carpet Center bietet ihnen einen sicheren Zufluchtsort mit nahrhaften Mahlzeiten, warmer Kleidung, einem Bett zum Ausruhen und Zugang zu Medikamenten.

First Class Kundinnen

Doch das Red Carpet Center will nicht nur die körperliche Not der Frauen lindern. Was den „Roten Teppich“ von allen anderen Frauenhäusern unterscheidet, ist seine außergewöhnliche Liebe zum Detail. Im Hauptraum steht ein Kleiderständer im Boutique-Stil, an dem sich die Besucherinnen neue Kleidung auswählen können. Die seelisch schwer verletzten und oft gedemütigten Frauen werden wie First Class Kundinnen behandelt. Freiwillige Helferinnen fungieren als persönliche Assistentinnen und Einkaufsberaterinnen und legen die ausgewählten Kleidungsstücke sorgfältig gefaltet in eine Einkaufstasche. In den Duschen warten persönliche Shampoo- und Conditioner-Sets auf jede Besucherin des Centers.

In den Stunden, in denen sie im Center sind, werden die in Not geratenen Frauen verwöhnt und umsorgt, so gut es geht. Als Stammgast Angelique das Center betritt, schickt Anat gleich eine Helferin zum Kühlschrank: „Hol die Himbeerlimonade für Angelique“, bittet sie, „das ist ihre Lieblingssorte.“

Drogen und Prostitution

Solche Gesten mögen klein sein, aber sie verdeutlichen die Würde und Fürsorge, die dieses Zentrum bietet. Und diese Fürsorge wird gerade auch den Frauen entgegengebracht, die jede Würde und Achtung gegen sich selbst verloren zu haben scheinen, Drogensüchtige, Prostituierte, Zerbrochene, die nach dem Dreck der Straße riechen – oder nach Schlimmeren. Jede Frau wird herzlich willkommen geheißen, darf sich ausruhen, neu einkleiden, in einem weichen, sauberen Bett schlafen, ein gutes Essen genießen, duschen und das hauseigene „Schönheitsstudio“ nutzen.

Da das Red Carpet Center auch ein Zufluchtsort vor gewalttätigen Männern ist, wird die Tür streng überwacht. Jede Person, die das Center betritt, wird durch eine Überwachungskamera kontrolliert und identifiziert.

Zärtlichkeit

Manche Frauen huschen nur scheu herein, um Lebensmittel oder Hygieneartikel mitzunehmen. Andere wollen nichts als ein warmes Getränk und einen freundlichen Menschen, der ihnen zuhört.

Die freiwilligen Helferinnen vermitteln den in Not geratenen Frauen mit ihrer Fürsorge ein Gefühl von Wertschätzung und Zärtlichkeit, das viele dieser Frauen zum ersten Mal in ihrem Leben kennenlernen.

 

Verlorene Kinder

„Hey, kann ich einen Pullover haben?“, fragt ein Mädchen Anfang 20 schüchtern.   

„Natürlich“, antwortet die ICEJ-Freiwillige. „Ich schaue mal, was ich in deiner Größe finde.“ Doch dieses Mal gelingt es leider nicht, den bescheidenen Wunsch zu erfüllen. Obwohl die ehrenamtliche Helferin alle Körbe mit Kleiderspenden durchstöbert, findet sie keinen passenden Pullover.

„Tut mir sehr leid, das ist alles, was wir haben“, sagt sie bedauernd. Statt dem Pullover kann sie ihrer „Kundin“ mehrere hübsche Kleider und geblümte Schals anbieten.

Die junge Frau entscheidet sich für eine dünne Kaschmirjacke, lächelt und bedankt sich, glücklich über das neue wärmende und saubere Kleidungsstück.

Herzschmerz Und dann schüttet sie dieser freundlichen Fremden ihr Herz aus. „Wusstest du, dass ich letzte Woche ein Baby bekommen habe?“, sagt sie. „Ich werde meinen kleinen Sohn heute Nachmittag besuchen. Ich möchte nur das Beste für ihn.“

Bei Tee und Mandelkuchen erzählt diese junge Mutter dann noch von weiteren Kindern, die sie geboren hat und die derzeit alle in staatlicher Obhut sind. Denn sie hat keine Wohnung und keine feste Anstellung.

Ruheort Ihr jüngster Sohn kam per Kaiserschnitt zur Welt, bald darauf war sie wieder auf der Straße. Aber nun darf sie sich im Red Carpet Center erholen, an einem sicheren, friedlichen Ort fernab der Straße.

Während eine andere ehrenamtliche Helferin der ICEJ ihr die Haare föhnt, umfassen die Finger der jungen Mutter das Bild ihres kleinen Jungen. Man hat ihr das Foto im Krankenhaus in die Hände gedrückt, als man ihr das Neugeborene abnahm.

Leider ist es nicht möglich, der jungen Frau alle Chancen zu geben, die sie verdient. Aber sie darf erstmals erleben, dass sie wertvoll und wertgeschätzt ist. Bei jedem Hilfseinsatz staunen wir über die großzügige, beständige Liebe und Opferbereitschaft von Anat und dem Team von „Red Carpet“. Sie bieten den schutzbedürftigen Frauen nicht nur einen sicheren Erholungsort und einen Platz zum Ausruhen, sondern helfen ihnen auch, ihren eigenen inneren Wert zu entdecken und machen jeder Frau Mut, sich zu entfalten.

Herzlichen Dank für Ihre Spende!