Shoshanna Kolmer
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ICEJ trauert um Shoshanna Kolmer

„Die schönsten Jahre meines Lebens hatte ich im Haifa-Heim“.

Das ICEJ-Heim für Holocaustüberlebende hat im Juli eine seiner bekanntesten und beliebtesten Bewohnerinnen verloren: Schoschanna Kolmer verstarb im hohen Alter von 99 Jahren. Sie hinterlässt zwei Kinder und drei Enkelkinder. Ihre Familie drückte den Mitarbeitern des Heims ihren Dank aus: Schoschanna habe im Haifa-Heim die schönsten Jahre ihres Lebens verbracht.

Schoschanna Kolmer wurde als Tochter eines wohlhabenden jüdischen Geschäftsmanns in Mukatschewe (in der heutigen Ukraine) geboren. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ging es der Familie sehr gut. Doch dann verschlechterte sich ihre Situation dramatisch: Juden wurden an den Rand der Gesellschaft gedrängt, die Nationalsozialisten verhängten Ausgangssperren. Schoschannas Eltern, Schwestern und ihre Großmutter wurden 1944 in das Ghetto von Mukatschewe gebracht. Schoschanna gelang die Flucht, sie wurde jedoch später bei dem Versuch, in Ungarn Zuflucht zu finden, festgenommen und im März 1944, im Alter von 25 Jahren, nach Auschwitz deportiert.

In der Hölle von Auschwitz

In Auschwitz musste Schoschanna schwere Arbeit leisten, war unterernährt und erlebte unvorstellbare Grausamkeiten. Sie überlebte einen Todesmarsch, bevor sie am 2. Mai 1945 schließlich von der Roten Armee befreit wurde. Zu diesem Zeitpunkt war ihr Zustand erbärmlich, sie hatte Läuse, eine Lungenentzündung und Typhus. Außer einer Schwester und einer Tante kamen alle ihre Angehörigen im Holocaust ums Leben. Schoschanna litt bis zu ihrem Tod sehr stark unter dem Verlust ihrer Familie, vor allem ihrer Mutter, die nur 43 Jahre alt wurde.

Neues Leben in Israel

Trotz aller Widrigkeiten gelang es ihr nach Kriegsende mit ihrer Schwester ins britische Mandatsgebiet Palästina zu emigrieren. Dort erlebte sie 1948 die Staatsgründung Israels. Im selben Jahr heiratete sie ihren Mann Leo, die beiden hatten zwei Kinder. Schoschannas Mann verstarb 1991. Ihr Leben lang sorgte sie für ihren geistig behinderten Sohn.

Zuhause im Haifa-Heim

Als Schoschanna 2013 ins ICEJ-Heim für Holocaustüberlebende in Haifa einzog, durfte ihr Sohn sie zunächst begleiten, bis für ihn eine Unterkunft in der Nähe des Heimes gefunden wurde. So konnte er seine Mutter täglich besuchen. Dafür war Schoschanna sehr dankbar. Zuletzt benötigte sie selbst intensivere Pflege. Die Mitarbeiter des Haifa-Heimes nahmen Schoschanna liebevoll auf und umsorgten sie. Schoschanna erlebte eine sehr glückliche Zeit und ein herzliches Miteinander mit den anderen Heimbewohnern. In Gemeinschaft mit den anderen Bewohnern genoss sie täglich die leckeren, nahrhaften Mahlzeiten, die der Koch zubereitete. Außerdem konnte sie regelmäßig am vielseitigen Freizeitprogramm teilnehmen, darunter Strandausflüge und die wöchentlichen Musik- und Tanzabende im Speisesaal, die den Bewohnern besonders viel Freude machen. Inzwischen sind diese Abende zu einem Nachbarschafts-Event geworden, zu dem auch junge Soldaten, Freunde und Nachbarn des Heimes dazukommen. Bei einem Ausflug des Heimes nach Jerusalem traf Schoschanna Premierminister Benjamin Netanjahu. Von dessen Sohn Jair erhielt sie Besuch im Haifa-Heim.

Das Leben feiern

Im Heim wird großer Wert auf das Feiern der biblischen Festtage gelegt. Als fromme Jüdin freute es Schoschanna, die jüdischen Feste mit den anderen Heimbewohnern zu feiern und in festlicher und fröhlicher Stimmung gemeinsam köstliche Mahlzeiten einzunehmen. Trotz ihrer traumatischen Vergangenheit war Schoschanna ein lebensfroher Mensch. Dies durften auch Besucher des Heims aus aller Welt, denen sie unermüdlich von ihren schrecklichen Erfahrungen im Holocaust erzählte, erleben. Viele christliche Freunde schlossen die liebenswerte Holocaustüberlebende fest in ihr Herz.

ICEJ-Filmtipp

Schoschannas Geschichte wurde 2017 in der Sendung „Wie lebt man wenn man Auschwitz überlebt hat?“ von FASZINATION ISRAEL erzählt. Auf unserem Youtube-Kanal ist dieser Beitrag das meistgesehene Video. Sie finden diese Sendung in unserer Mediathek: https://faszinationisrael.de/mediathek

Schoschanna war eine tiefgläubige Frau und überzeugt davon, dass Gott seine Hand schützend über sein Volk gehalten hat und weiterhin halten wird. „Ich habe sie gefragt, was ihr geholfen hat, den Holocaust zu überleben. Immer sagte sie: mein Glaube“, erinnerte sich Yudit Setz, ICEJ-Koordinatorin für das Haifa-Heim. Israel und ihre Familie lagen Schoschanna besonders am Herzen. Sie sagte: „Für die Zukunft wünsche ich mir Frieden für Israel und Gesundheit für meine Kinder und Enkel.“

Herzlichen Dank!

Die ICEJ bedankt sich herzlich bei allen Spendern, die Schoschannas Pflege im Heim über unser Patenschafts-Programm finanziell ermöglicht haben. In nächster Zeit werden neue Bewohner in das besondere Altenheim einziehen. Bitte beten sie mit uns für die Überlebenden, die bereits im Heim wohnen, und auch dafür, dass sich die Neuankömmlinge schnell und gut in ihr neues Zuhause einleben werden!

Bitte helfen Sie uns weiterhin dafür zu sorgen, dass die hochbetagten Bewohner unseres Haifa-Heimes liebevoll versorgt werden können. Sie können hier online spenden oder eine Projektpatenschaft für das Haifa-Heim eingehen. Herzlichen Dank für alle Unterstützung.