Besuch im Haifa-Heim

Besuch im Haifa-Heim

„Danke, dass ihr gekommen seid!“

Von Birte Scholz

Im Haifa-Heim der ICEJ für Holocaustüberlebende freut man sich immer über Besuch. Die mehr als 70 Bewohner des Heimes hießen schon Gäste aus allen Teilen der Welt willkommen, christliche Freunde, aber auch israelische Schulklassen, Soldaten oder Politiker, und sie sind auch gerne selbst im Land unterwegs. Vor ein paar Wochen wurde eine ICEJ-Reisegruppe aus Deutschland herzlich empfangen.

Willkommen

„Danke, dass ihr hier seid!“, begrüßte Schimon Sabag, Direktor des Haifa-Heimes, die deutschen Besucher. „Sagt bitte auch denen Zuhause, die das Heim unterstützen, herzlichen Dank. Wenn wir als Juden und Christen zusammenarbeiten, können wir etwas so Wunderbares wie dieses Zuhause für Holocaustüberlebende aufbauen.“ Yudit Setz und Jannie Tolhoek von der ICEJ-Sozialabteilung in Jerusalem, über die jeder Besuch im Haifa-Heim koordiniert werden muss, hatten ein besonderes Besuchsprogramm für die Gruppe vorbereitet. „Dieses Heim liegt uns sehr am Herzen“, erklärte Yudit. „Jetzt können wir noch etwas für die Überlebenden tun und sie segnen, aber nicht mehr lange.“ Beate Schwarzenbach zeigte sich beeindruckt von Yudits Hingabe. „Das Haifa-Heim ist sehr beeindruckend, wirklich eine wichtige Arbeit“, erklärte sie.

Besuch bei Überlebenden

Die Reisegruppe wurde in mehrere kleine Grüppchen eingeteilt, die verschiede Bewohner des Haifa-Heimes in ihren persönlichen Räumen besuchten. Liebevoll und erwartungsfreudig hatten sich Schlomo, Sarah, Miriam und Judith auf ihre Besucher vorbereitet und Becher, Getränke und Kekse sowie weitere Stühle bereitgestellt. „Sie haben sich so gefreut, dass wir Deutsche zu Besuch kommen, und es war toll, Liebesspender werden zu dürfen“, erzählten Marion und Reinhard Kies begeistert. „Sie haben gesagt: Danke, dass ihr gekommen seid, wollt ihr was essen und trinken?“

Freude und Leid

Die Freude und Aufregung war den hochbetagten Gastgebern anzumerken. „Wir waren bei Miriam“, berichtete Ruth Ott. „Sie musste sehr kämpfen, als sie vom Konzentrationslager erzählte. Beeindruckend war dann ihre Reaktion auf die Frage, wie es ihr bei der Staatsgründung ging, sie hat so gestrahlt und begeistert erzählt: Das ist jetzt ihr Land, hier dürfen sie als Juden sein. Da war sie so voller Freude!“ „Schlomo, 91Jahre, hat viel über die Zeit des Krieges gesprochen, aber auch über die Zeit, als er nach Israel kam. Kann es sein, dass er wirklich Frieden hat am Ende seines Lebens? So wirkte es, das fand ich sehr besonders“, staunte Sigrid Ritzmann-Striss.

Vergangenheit und Gegenwart

„Die Leute sind sehr lebensfroh und genießen das Leben“, beobachtete Simone Urban, mit 14 Jahren die jüngste Reiseteilnehmerin. „Judith sagte uns, sie habe ein sorgenfreies Leben, das ist sehr schön. Süß war die Frau und ganz lieb. Sie versucht, sich an die Zeit vor dem Krieg zu erinnern, an das, was gut war, und zeigte uns die Zeichnungen, die sie als kleines Mädchen in Theresienstadt gezeichnet hat. Ich habe mich nicht getraut zu fragen, ob sie eine Nummer auf dem Arm eintätowiert hat, weil dann die Erinnerung an alles zurückkommt.“

Sarahs Geschichte

„Die Bilder und Filme in Yad Vashem waren manchmal unerträglich, das hat mich sehr mitgenommen. Deshalb war der Besuch in Haifa so toll, die Freundlichkeit der 90jährigen Sarah uns gegenüber“, sagte Ellen Rothhamel. „Sie hat eine Menge erzählt.“ 1939 ging Sarah illegal von Deutschland nach Belgien. Weil sie nicht sehr jüdisch aussah konnte sie bei einer katholischen Familie bleiben, bekam einen anderen Namen und eine falsche Identitätskarte. Das machte ihr sichtlich zu schaffen. „Ich habe gelernt: Du sollst nicht lügen, aber ich musste“, erinnerte Sarah sich. Ihr Vater starb in einem Lager in Frankreich, ihre Mutter und ihr Bruder in Auschwitz. Mit 17, 18 Jahren kam sie 1945 nach Israel. „Sarah hatte sehr viel Humor, aber sie hat die ganze Zeit ihr Taschentuch geknetet. Da habe ich gemerkt, dass es ihr schwer gefallen ist zu sprechen. Es war ein wichtiger, schöner und wertvoller Besuch“, schloss Ellen.

Persönliches Museum

Die Besucher aus Deutschland zeigten sich auch bewegt von dem eigenen Museum des Heimes. „Das Museum im Haifa-Heim ging unter die Haut. Wir sind sehr berührt von dem Persönlichen. Gezeigt wurde, was die Bewohner erlebt haben“, sagten Marion und Reinhard Kies. „Das Museum im Heim ist ganz toll, ein persönliches Museum mit den Geschichten der Bewohner. Es ist ein Zeugnis für die Zukunft, auch über ihr Leben hinaus“, fand Heike Schmitt. „Im Haifa-Heim ist eine herzliche und schöne Atmosphäre. Den Holocaustüberlebenden wird Würde gegeben.“

Die Eindrücke der Reisegruppe deckten sich mit dem, was ihnen ICEJ-Direktor Jürgen Bühler beim Besuch in der ICEJ-Hauptstelle in Jerusalem erzählt hatte: „Das Haifa-Heim ist eines der fröhlichsten Altenheime, die ich erlebt habe. Was war können wir nicht wieder gut machen, aber wir können ihre Herzen erreichen, Segen und ein Stück Heilung bringen.“

Bitte helfen Sie uns, Holocaustüberlebende wie Sarah, Schlomo und Miriam zu unterstützen und ihnen einen Lebensabend in Würde und einer liebevollen Umgebung zu ermöglichen. Informieren Sie sich hier über eine Projekt-Patenschaft für das Haifa-Heim.


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