Holocaustüberlebende an Schulen

Der Holocaust-Überlebende Yossef Aron an deutschen Schulen

Auf Einladung der ICEJ hat der 83-jährige Holocaust-Überlebende Yossef Aron aus Israel Ende Januar hunderten von Schülern und Lehrern seine bewegende Leidensgeschichte erzählt. Fünf Schulen im Großraum Stuttgart nutzten eine der letzten Gelegenheiten, einem Zeitzeugen zu begegnen. Begleitet wurde Yossef Aron von Yudit Setz, Mitarbeiterin der ICEJ-Sozialabteilung in Jerusalem, und von Katja Bühler, die diese Tour organisierte.

Gelebte Geschichte

Es wurde ganz still in dem Raum, in dem sich drei 9. Klassen versammelt hatten, als Yossef Aron zu erzählen begann. 1935 in Frankfurt geboren hat Yossef selbst nie eine Schule besucht, nie lesen und schreiben gelernt. Als er fünf Jahre alt war, brach der Horror des Holocaust über ihn herein und seine Familie wurde auseinandergerissen. Die Mutter und acht seiner zehn Geschwister hat Yossef nie wiedergesehen.

In der Hölle von Bergen-Belsen

Traurig, aber gefasst sprach Yossef von den Grausamkeiten, schwerer Arbeit, Schlägen und brutaler Folter, die er im Konzentrationslager Bergen-Belsen durchlitt. „Drei Jahre lang (1942 – 1945) wurden ich und vier weitere Kinder jeden Abend von besoffenen, grausamen deutschen Soldaten vergewaltigt“, erinnerte sich Yossef. „Es war die Hölle.“ Drei der Kinder überlebten diese Tortur nicht. Bei seiner Befreiung durch die Engländer im Mai 1945 wog der damals Zehnjährige nur noch etwa elf Kilogramm.

Gott greift ein

Kurz vor der Staatsgründung Israels kam er ins damalige Mandatsgebiet Palästina, wo er monatelang auf der Straße lebte, bevor ihn die israelische Familie Rubinstein aufnahm. „Ich dachte ganz verzweifelt: Ich bin Analphabet, ich kann nichts, was soll ich machen?“, erzählte Yossef. „Ich weinte und schrie zu Gott.“ Während er betete, war es Yossef, als ob ihn ein Blitz durchzuckte. Eine angenehme Wärme und Ruhe erfüllte sein Herz. „Ich glaube, Gott hat mir etwas gegeben“, sagte er. „Ich hatte keine Angst mehr. Das große Wunder war, dass ich von dem Tag an lesen, schreiben und rechnen konnte.“ Auch seine Menschenfurcht überwand Yossef. Der Beruf des Kellners wurde zu seiner großen Leidenschaft.

Vergebung und Liebe

Trotz des unermesslichen Leids, das Yossef ertragen musste, ist er nicht verbittert. „Ich liebe Deutschland. Ich habe Deutschland vergeben, das war Gottes Wunsch“, erklärte er seinen jungen Zuhörern. „Man muss immer vergeben können und das tue ich auch.“ Einen letzten großen Wunsch hat der Holocaust-Überlebende: „Ich wünsche mir Frieden zwischen Israelis und Palästinensern. Es gibt genug Platz für uns alle.“

Eindrückliche Begegnung

Diese vom Glauben geprägte Einstellung beeindruckte die Schüler sehr. „Ich habe noch nie einen Holocaust-Überlebenden getroffen“, meinte Jan (15). „Wie Yossef mit Gott verbunden ist, erstaunt mich, es ist krass, was er alles erlebt hat.“ Auch die 15-jährige Moriah war bewegt. „Es ist etwas ganz anderes, wenn jemand vor dir sitzt, der alles wirklich erlebt hat. Das ist einmalig“, sagte sie. „Ich musste fast weinen und werde diese Begegnung nicht so schnell vergessen!“


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