Das Haifa Heim hat mir das Leben gerettet.

„Das Haifa-Heim hat mir das Leben gerettet ...“

Edmond, der viele Jahre lang als Sportlehrer arbeitete, war immer sehr aktiv; doch mit fortschreitendem Alter bekam er schwere Herzprobleme. Er konnte schließlich die vielen Treppenstufen hinauf in seine Wohnung nicht mehr bewältigen und hatte große Schwierigkeiten, seine Miete zu bezahlen. Diese Umstände führten dazu, dass Edmond sich eine andere Bleibe suchen musste und in der Synagoge seines Viertels Unterschlupf fand. Gutwillige Menschen versorgten ihn dort ab und zu mit Lebensmitteln. Depressionen und tiefe Verzweiflung waren die Folge seiner schwierigen physischen und psychischen Situation. Das Sozialamt sorgte schließlich dafür, dass Edmond im Haifa-Heim Aufnahme fand. Hier werden seine Bedürfnisse gestillt. In der liebevollen Gemeinschaft der anderen Bewohner und der Mitarbeiter findet er Trost und Unterstützung. Trotz seiner vielen gesundheitlichen Herausforderungen ist er sehr dankbar, diesen Ort gefunden zu haben. „Das Heim hat mir sprichwörtlich das Leben gerettet“, sagt er.

Wohnen und leben in Gemeinschaft

Besucht man das Haifa-Heim fällt einem auf, dass es sich eigentlich um ein kleines „Dorf“ entlang derselben Straße handelt. Die Überlebenden wohnen in verschiedenen Häusern, doch sie kommen alle regelmäßig in einem Gemeinschaftshaus zusammen. Dort befinden sich der Speisesaal, der Raum für Freizeitaktivitäten und ein Museum. Dieses gemeinschaftliche Wohnambiente vermittelt viel Geborgenheit. Die lächelnden Gesichter und die herzliche Ausstrahlung der Bewohner sprechen für sich. Sie zeugen von der Dankbarkeit der Senioren für die liebevolle Betreuung, die sie hier erfahren. Geist, Körper und Seele werden versorgt - durch gutes Essen, Gymnastikkurse, Freizeitaktivitäten, Gemeinschaft und viel Liebe. „Ich liebe es, hier zu wohnen, weil für alles gesorgt ist. Ich muss mir keine Sorgen machen“, sagt Bewohnerin Miriam dankbar.

In Memoriam: Berthold Lahav

Im Juni erreichte uns die traurige Nachricht, dass Haifa-Heim-Bewohner Berthold Lahav im Alter von 95 Jahren verstorben ist. Er wuchs mit seinen beiden Brüdern in Rumänien auf, doch während des Zweiten Weltkrieges verlor er seine Geschwister bei einem Bombenangriff. Zwangsarbeit, Hunger und Kälte waren seine ständigen Begleiter, doch er überlebte all diese Strapazen und kam 1959 nach Israel. Berthold war schon zweimal verwitwet, als er seine dritte Frau, Sofia, vor 23 Jahren kennenlernte. Sofia stammt aus der Ukraine und war als kleines Kind mit ihrer Mutter und ihrem Bruder monatelang auf der Flucht vor den Nazis. 1989 wanderte sie nach Israel ein, wo sie Berthold kennenlernte. Sofia und Berthold waren sehr glücklich miteinander und liebten sich sehr. Im Jahr 2015 zogen sie gemeinsam ins Haifa-Heim. Am 3. Juni ist Berthold gestorben. Als wir Sofia besuchten, sagte sie: „Ich kann mit Worten gar nicht ausdrücken, wie sehr sich die Mitarbeiter hier um mich kümmern. Jeden Tag schauen sie, wie es mir geht, bringen mir mein Essen und trösten mich. Auch viele Bewohner haben mir ihr Beileid bekundet. Das hat mich sehr getröstet. Ich bin hier wirklich zu Hause, das ist meine Familie, hier möchte ich bleiben.”

Schwieriger Wechsel

Das Haifa-Heim passt sich ständig den Bedürfnissen seiner Bewohner an, die immer älter werden. In den meisten Fällen sind die Senioren noch recht selbständig, wenn sie zu uns kommen. Wenn sie zusätzliche praktische Unterstützung brauchen, werden häusliche Betreuer angestellt, die sich um die Bewohner kümmern. Benötigen die Überlebenden jedoch zusätzliche medizinische Versorgung, müssen sie schließlich in ein reguläres Pflegeheim wechseln. Dieser Schritt fällt den meisten sehr schwer, weil sie die liebevolle Gemeinschaft und Betreuung vermissen, die sie so lange genossen haben. Viele sterben zeitnah nach ihrer Verlegung.

Neue Perspektiven

Nun hat ein Pflegeheim, das sich nur wenige hundert Meter entfernt vom Haifa-Heim befindet, angeboten, eine ganze Etage mit 22 Betten für Holocaustüberlebende zur Verfügung zu stellen. Als ICEJ müssten wir nun Pflegebetten kaufen, Mitarbeiter anstellen und das Geschoss renovieren lassen. Doch alle anderen Dienste des Pflegeheimes könnten genutzt werden, einschließlich ärztlicher Betreuung, Physio- und Beschäftigungstherapie. So wäre es möglich, den Senioren in dieser neuen Einrichtung dieselbe liebevolle Betreuung zugutekommen zu lassen wie im Haifa-Heim. Zudem würde die enge Gemeinschaft der Bewohner nicht auseinanderbrechen, da man das Pflegeheim vom Haifa-Heim aus problemlos zu Fuß erreichen kann.

„Am Anfang ihres Lebens haben die Bewohner Furchtbares durchmachen müssen und viel Mangel erlitten. An ihrem Lebensabend können wir dazu beitragen, dass sie die Liebe und Fürsorge erfahren, die sie jetzt so dringend benötigen“, sagt Yudit Setz von der ICEJ-Sozialabteilung, die das Heim jede Woche besucht.

Bitte helfen Sie uns dabei, diese neue Pflegestation zu realisieren! Eines der insgesamt 22 Betten kostet 3500 Euro, die Renovierungskosten belaufen sich auf 150 000 Euro.

Unterstützen Sie das Haifa-Heim durch die Übernahme einer monatlichen Patenschaft. Sie stellt sicher, dass die Bewohner mit allem versorgt werden, was sie brauchen. Da sich das Haifa-Heim nur durch Spenden finanziert, ist Ihr Beitrag von entscheidender Wichtigkeit. Wählen Sie dazu das Projekt "Holocaust-Überlebende" im Spendenformular aus, vielen Dank für jeden Beitrag den Sie leisten können.


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